Die Sonne geht auf




Sarvamangala


In einem kleinen Dorf lebte einmal ein armer Brahmane namens Devicharan.

Davicharan war ein guter Mann und er liebte Mutter Natur von ganzen Herzen. Er betete Mutter Natur in der Form von Durga an.

Leute haben Devicharan sehr oft gefragt, ob er ihnen etwas von Mutter Natur aus dem Buch namens Chandi vorlesen kann. Im Gegenzug gaben sie ihm Geschenke in Form von Essen und Kleidung. Auf diesem Weg hatte Devicharan immer genug zu essen. Er lebte glücklich mit seiner Frau und seiner Tochter. Obwohl sie arm waren, waren sie niemals traurig. Devicharan’s Tochter war sehr hübsch und ebenso ein gutes Mädchen. Ihr Name war Sarvamangala. Ihre Eltern haben ihr alles beigebracht, was sie wussten und sie lernte alles sehr schnell. Sie arbeitete hart, und was immer sie tat, sie tat es gut.

Mit der Zeit war Savamagala alt genug um zu heiraten. „Du musst nach einem Ehemann für deine Tochter schauen!“ sagte Savamngala’s Mutter zu Devicharan. „Aber wer will denn so ein armes Mädchen heiraten? Wir können ihr nichts geben.“ „Sei nicht besorgt, mein Lieber.“, antwortete Devicharan. „Unsere Tochter ist so hübsch wie Lakshmi und mit Weisheit so gesegnet wie Saraswati. Wo gibt es ein Mädchen so liebevoll und brillant wie Sarvamangala?“ „Du hast recht“, stimmte seine Frau zu. „Sie ist gut und hübsch und geschickt in allem, was sie tut. Sie kocht exzellent. Darüber hinaus liebt sie es, Leute glücklich zu machen, indem sie sie bedient.“ „Wir müssen uns also keine Sorgen um ihre Heirat machen“, sagte Devicharan. „Mutter Durga wird alles einrichten“.

Einige Wochen später besuchte ein guter Mann, der Grundbesitzer war, das Dorf und sah Sarvamangala. Als er heraus fand, dass sie so gut wie hübsch war, wollte er sie mit seinem Sohn verheiraten.

Devicharan war einverstanden und Saravamangala war verheiratet. Sie ging mit ihrem Schwiegervater in sein Haus, das im nächsten Dorf lag. Devicharan und seine Fraus waren traurig und einsam ohne ihre Tochter, aber sie waren glücklich darüber, dass ihre Tochter nicht länger arm war und nun einen guten Mann hatte.

Bald war der Monat der Durga Puja, das Fest zu Ehren  der Göttin Durga gekommen. „Frau“, sagte Devicharan, „ Mutter Durga hat unsere Tochter mit einem guten und reichen Mann gesegnet. Dieses Jahr müssen wir die Durga Puja in unserem Haus ausrichten.“ „Aber wir sind doch so arm“, antwortete seine Frau. „Wir haben kaum genug zu essen für uns selber, wie können wir da darüber nachdenken die Puja hier auszurichten?“ „Was?“, weinte Duvicharan. „Ist Durga die Mutter der Reichen und nicht der Armen? Wird sie unser geringes Angebot nicht akzeptieren? Wie sollten wir, was auch immer wir haben, anbieten.“

Die Zeit des Festes kam immer näher. „Wir müssen das Bild der Mutter nach Hause bringen“, sagte Devicharan zu seiner Frau. „Es wäre schön wenn Sarvamangala auch nach Hause kommen könnte“, antwortete seine Frau. Devicharan nahm eine 50-Paise  Münze und ging zu dem Bildhauer.

„Ich werde die Durga Puja in meinem Haus ausrichten“, sagte Devicharan. „Bitte mache mir ein kleines Bild von Durga. Ich kann dir 50 Paise bezahlen.“ „Hast du deinen Verstand verloren, Devicharan Babu?“ antwortete der Bildhauer. „Es kostet eine riesen Stange Geld die Durga Puja auszurichten, und sogar das kleinste Bild kostet mehr als 50 Paise.“ „Ich habe nicht mehr Geld“, erklärte Devicharan, „ aber ich liebe die Mutter und ich bin dankbar für sie. Ich sollte Durga Puja sogar ausrichten können, auch wenn ich sie nur mit Blumen verehre.“ Der Bildhauer war überrascht und wurde nachdenklich.

„Ich verstehe deine Gefühle“, sagte er. „ Also gut, ich sollte das Bild für dich machen und du musst mir dafür nichts bezahlen.“ „ Ich werde dir bezahlen, was immer ich aufbringen kann“, antwortete Devicharan, und er brachte den Mann dazu, die 50 Paise zu akzeptieren.

Als Devicharan und seine Frau die Puja vorbereiteten, dachten sie sehr oft an ihre Tochter. Manchmal weinten sie, weil sie sich ohne ihre Tochter so einsam fühlten. „Man wird es ihr nicht erlauben, hierher zu uns zu kommen“, sagte Devicharan, „sie wird zu beschäftigt sein. In dieser reichen Familie wird man die Durga Puja im großen Stil ausgerichtet und Saravamagala wird eine große Hilfe für sie sein. Wir müssen es ohne sie schaffen.“ Am nächsten Tag fühlte sich Devicharan’s Frau nicht gut. „Was sollen wir nur tun?“, weinte sie. Morgen beginnt die Puja, doch ich bin zu krank, um aus dem Bett zu kommen. Wer wird kochen? Wer wird uns helfen? Oh Saravamangala, wir brauchen dich.“ Devicharan beruhigte seine Frau.

„Ärgere dich nicht“, sagte er. „Ich werde sofort los gehen, um Saravamagala zu sehen. Vielleicht wird ihr Schwiegervater ihr erlauben zu gehen, wenn er hört, dass du krank bist.“ Devicharan ging zu Saravamangala’s Haus, doch man erlaubte ihr nicht, mit ihm zurück zu gehen. „Es tut mir sehr leid“, sagte ihr Schwiegervater zu Devicharan „aber meine Frau braucht die Hilfe deiner Tochter.“ Traurig und besorgt verabschiedete sich Devicharan von seiner Tochter und machte sich auf den Weg nach Hause. Während er nach Hause lief, sprach er zu Mutter Durga.  „Der Bildhauer hat mir ein schönes Bild gemacht“, sagte er, „und morgen möchte ich dich ehren. Doch jetzt ist meine Frau krank und meine Tochter kann nicht nach Hause kommen. Was soll ich nur tun?“ 

In diesem Moment hört Devicharan wie jemand von hinten nach ihm ruft. Es schien so, als ob es die Stimme seiner Tochter sei. Er hielt an und drehte sich um. Überraschenderweise war es Saravamangala, die eilig auf ihn zu lief.

 „Warte auf mich, Vater“, rief Saravamangala, „ich komme mit dir nach Hause.“ „Wie ist es dir möglich, mit mir zu kommen?“, rief Devicharan. „Was wird deine Schwiegermutter dazu sagen?“ „Mach dir keine Sorgen, Vater“, anwortete Saravamnagala. „Alles ist abgesprochen. Nimm mich mit nach Hause.“

Nun waren Devicharan und seine Frau sehr glücklich. Ihre Tochter ist nach Hause gekommen. Sie schien noch hübscher und ihr Gesicht war gefüllt mit Freude. Sie kümmerte sich um ihre Mutter und machte die ganze Hausarbeit.

Am selben Abend half Saravamangala ihrem Vater dabei das Bild der Durga für die Ehrung, die am nächsten Tag stattfinden sollte, zu schmücken. Das Bild stand in einem dekorierten Schrein, und als sie fertig waren, waren die geblendet von ihrer Schönheit. Saravamangala’s Mutter fühlte sich nun auch besser und ehrte das Bild. „Schau wie schön Saravamangala das Bild dekoriert hat“, sagte sie. „Und schau wie schön Saravamangala ist.“

Die ersten beiden Tage gingen fröhlich vorüber. Devicharan ehrte Durga und sein Herz war gefüllt mit Frieden. Der dritte Tag begann und an diesem Tag sollten die Gäste das Festmahl zu sich nehmen. „Heute müssen wir ein Festmahl für die ganz Nachbarschaft zubereiten“, sagte Sarvamangala.

„Machst du Witze, Kind?“ Devicharan antwortete. „Wie soll es uns möglich sein, ein Festmahl bereit zu stellen? Wir können ihnen nur ein paar Früchte anbieten.“ „Ich mache keine Witze Vater“, sagte Sarvamangala. „Du hast die Mutter in deinem Haus geehrt. Die Verehrung ist nicht komplett, solange du kein Festmahl bereit stellst. Ich werde nun los gehen und alle Nachbarn einladen.“

Sarvamangala machte sich auf den Weg zu den Häusern der Nachbarn. Devicharan bereitete das Festmahl vor. „Jetzt wo meine Tochter einen reichen Mann geheiratet hat“, dachte Devicharan, „denkt sie, es sei einfach ein Festmahl bereit zu stellen.“

Als Sarvamangala zurück kehrte, setzte sich Devicharan hin, um die Göttin zu ehren. Sarvamangala unterstütze ihn dabei. Es schien, als ob das Bild lebte und Devicharan’s Gesicht strahlte vor Freude. Der Raum war gefüllt mit dem Licht der Göttin.

Um 12 Uhr Mittags erschienen die ersten Nachbarn. Sarvamangala hatte alle dazu eingeladen, die bereit gestellten Früchte für die Mutter mit ihnen zu teilen.

„Schau, was für einen Streich uns das Mädchen gespielt hat“, sagte Devicharan besorgt.

„Wir werden ziemlich dumm da stehen, wenn sie merken, dass wir ihnen nicht mehr bieten können“, sagte seine Frau.

„Ihr solltet beide aufhören euch zu sorgen,“ sagte Sarvamangala. „Lasst mich nur machen. Ich habe sie eingeladen, also sollte ich ihnen auch etwas bieten.“

Devicharan begrüßte alle Gäste, dann setzte er sich vor die Mutter. „Lass keine Scham über mich kommen, Mutter,“ sagte er. Er blieb vor dem Bild sitzen, er hatte zu viel Angst in die Gesichter der Gäste zu schauen.

Sarvamangala bat die Gäste sich zu setzen und servierte die Früchte, die zuvor Durga geehrt wurden. „Mein Vater ist sehr arm,“ sagte Sarvamangala, „ er kann dir also kein großes Festmahl bereit stellen. Es ist sein Glück, dass du gekommen bist und ich veranlasse, dass auch du an dem Festmahl teilnimmst.

Die Gäste begannen die Früchte zu essen. „Was für kostbare Früchte,“ sagten die Gäste. „Wir haben noch nie zuvor etwas so leckeres gegessen. Alles ist sehr zufriedenstellend. Das ist besser als ein großes Festmahl.“

Überglücklich machten sich die Gäste auf den Weg nach Hause. Sie überschütteten Sarvamangala und ihre Eltern mit guten Wünschen und Segen.

„Sind die Gäste alle weg?“ fragte Devicharan. „haben sie mich ausgelacht oder beschimpft?“ „Nichts von alle dem, “ sagte Sarvamangala. „Sie waren in der Tat alle sehr zufrieden.“ „Das merkwürdige an der ganzen Sache ist, “ sagte Sarvamangala’s Mutter, „die Hälfte der Früchte ist noch da, doch alle Gäste waren zufrieden.“ „Das ist in der Tat merkwürdig,“ sagte Devicharan. „Mutter hat uns gesegnet“, fügte er hinzu und Tränen rollten seine Wangen hinunter.

Der nächste Tag war der letzte Tag der Verehrung. Devicharan war traurig, heute wird die Mutter sein Haus verlassen. Er setzte sich vor das Bild und opferte der Göttin eine spezielle Mahlzeit aus Reis, Weißkäse und Früchten.

Als Devicharan dort mit geschlossenen Augen saß, bemerkte er nicht wie Sarvamangala den Raum betrat. Leise begann sie das Essen, was für die Göttin gedacht war, zu essen. Dann öffnete Devicharan seine Augen. Er war geschockt, als er sah, wie seine Tochter die Mahlzeit aß. „Was machst du da, Tochter?“ weinte er. Ohne etwas zu sagen rannte Sarvamangala aus dem Raum. Devicharan bat seine Frau eine neue Mahlzeit zuzubereiten und als sie fertig war, setzte er sich nochmals vor das Bild um die Mutter zu ehren. Nochmals schlich sich Sravamangala in den Raum und aß die Mahlzeit, die für die Göttin gedacht war und nochmals bat Devicharan seine Frau eine neue Mahlzeit zuzubereiten. Auch ein drittes Mal schlich sich Sarvamangala in den Raum und aß die Mahlzeit. Nun war Devicharan sauer auf seine Tochter. „Was ist nur in dich gefahren?“ weinte er. „Ruiniere nicht noch einmal meine Verehrung. Geh weg.“ Sarvamangala ging zu ihrer Mutter. „Vater schickte mich weg, Mutter“, sagte sie, „also werde ich gehen.“ „Heute musst du zurück in das Haus deines Schwiegervaters gehen, Kind.“ antwortete ihre Mutter, „das Fest ist vorbei. Wenn dein Vater die Verehrung beendet hat, wird er dich nach Hause bringen.“ Als Devicharan die Puja beendet hat, ging er zu seiner Frau. „Wo ist Sarvamangala?“ fragte er. „Vor kurzem war sie noch hier“, antwortete seine Frau, „Sie wartet darauf, dass du sie nach Hause bringst.“

Sie suchten und suchten nach Sarvamnagala, doch sie konnten sie nirgendwo finden. „Das dumme Mädchen muss alleine zurück zu ihrem Schwiegervater gegangen sein“, sagte Devicharan. „Ich muss gehen und schauen, dass es ihr gut geht.“ Als Devicharan an dem Haus an kam, war er erleichtert zu sehen, dass es seiner Tochter gut geht. „Ich beschimpfte dich für die Störung der Verehrung“, sagte er zu ihr. „Ist das der Grund, warum du alleine los gegangen bist? Bist du sehr sauer auf mich?“ „Was redest du denn da, Vater?“ antwortete Sarvamangala. „Hast du denn nicht die Opfergabe gegessen, während ich die Puja verrichtete?“ sagte Devicharan. „Habe ich dich nicht beschimpft?“ „Aber Vater, ich war doch hier, die ganze Zeit.“ antwortete Sarvamangala. „Mein Schwiegervater sagte dir doch, dass ich nicht mit dir gehen darf.“ Devicharan war erstaunt. Dann verstand er was passiert war. Es war Durga selber, die ihm als seine Tochter erschien. „Mutter, Mutter“, weinte er Tränen vor Freude. „Du erschienst mir und ich habe dich nicht erkannt!“